Warum?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Natascha, 24. Mai 2015.

  1. Gast

    Natascha

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    Top Poster des Monats

    Hallo ihr Lieben,
    ich bin grad so wütend und traurig. Warum verdammt noch mal gibt es Essstörungen? Essen ist da, um weiterzukommen, um zu leben. Warum gibt es -verdammt nochmal- Essstörungen?
    Liebe Grüße,
    Natascha
     
  2. ehemaliges Mitglied

    Püppchen

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    Dabei seit 23. Februar 2015
    Na ja dazu wird es nicht den einen Grund geben. Man kann auch nicht nur damit begründen, dass wir in einer Überflussgesellschaft leben, in der der Verzicht auf Lebensmittel als "Stärke" gesehen wird - es gibt soweit ich weiß, schon sehr lange Essstörungen, also auch in früheren Jahrhunderten schon. Die Frage ist also eher, wieso sie immer verbreiteter werden.

    Sich solche Fragen zu stellen, ist aber in meinen Augen eh nie eine gute Idee - weil man keine Antwort kriegt und es einen nur fertig macht, man nichts ändern kann. :/
    Leider ist das eines von den Dingen, die man eben einfach nicht ändern kann. Dafür sind unsere Psychen auch zu komplex, um da eine allgemein gültige Antwort oder Lösung zu finden...

    LG
    Püppchen
     
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  3. Gast

    Alatar

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    Top Poster des Monats

    Ich schliesse mich dir voll und ganz an. Meiner Meinung nach fragen es sich vorallem viele Anorektische in in einer depressiven Phase. Wenn sie jedoch wieder voll in ihrem "Wahn" sind würden sie sich sowas niemals fragen um so mehr fragen es sich dann Aussenstehende, welche jedoch KEINE AHNUNG haben warum wir das machen. Ich bin z.B. momentan wieder mittendrinne (obwohl ich schon Untergewicht habe) deswegen ist mir diese Frage auch eigt. total egal (bitte nicht böse sein) ABER wenn ich dann wieder depressiv bin fange ich an zu überlegen und stelle mir diese Frage immer und immer wieder doch dann denke ich mir wenn das meine Eltern mitkriegen versuchen sie wieder mit mir zu reden und ich würde evt. anfangen etwas zu essen deswegen vermeide ich das ich mit ihnen rede (sonst nehme ich ja zu wenn ich was essen würde). Das war es soweit von meiner Seite.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Alatar.
     
  4. ehemaliges Mitglied

    Opheliac

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    Dabei seit 1. November 2014
    Hallo Natascha,

    erst einmal tut es mir leid, dass es dir so schlecht geht.
    Ich weiß nicht was vorgefallen ist, aber ich hoffe, dass du dich bald wieder besser fühlen wirst.

    Warum gibt es Essstörungen?
    Nun, ich denke, dass sie schon ihren Sinn haben.
    Natürlich sind die Gründe bei jeder Person unterschiedlich, aber letztendlich stellen sie immer eine Bewältigungsstrategie dar, um mit Problemen fertig zu werden.
    Und es funktioniert auch.
    Meine Therapeutin hat immer gesagt, dasss man seine Bewältigungsstrategien nicht etablieren würde, wenn sie nicht funktierten.
    Egal ob Hungern, Kotzen, Alkohol, Drogen oder SVV.

    Es sind Lösungen, die uns in bestimmten Zeiten helfen, den Kopf über Wasser zu halten.
    Auf lange Sicht bringen uns diese Strategien womoglich auch um, aber in der Situation, in der du anfängst dein Problem dadurch erträglicher zu macher, ist es oftmals die einzige ersichtliche Rettung.

    Ich würde sogar behaupten, dass die Entwicklung einer ES zu einer bestimmten Zeit die einzige Möglichkeit für uns war zu überleben.

    Liebe Grüße <3
     
  5. Gast

    Natascha

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    Top Poster des Monats

    Hallo Opheliac,
    vielen Dank für die Rückmeldungen.

    Du hast Recht. Ohne Essstörung hätte ich einige Situationen in meinem Leben nicht ertragen, wie sicher viele oder alle hier.

    Sie hat mir oft den Hintern gerettet und ich bin im Nachhinein dafür auch sehr dankbar,
    doch wenn die anderen Probleme wieder erträglicher weden, nimmt die Essstörung das Gefühl der Unerträglichkeit ein und bringt mich immer wieder an den Rand des Wahnsinns, der Verzweiflung ubd Erschöpfung.

    Ich kann es dann kaum aushalten, dann versuche ich Erlösung von diesem Gefühl zu bekommen und suche einen neuen Ersatz. Selbstverletzungen oder Adrenalinkicks, bis es wieder die Essstörung wird.

    Es ist immer wieder eine zeitweilige Verschiebung, wobei die Essstörung meine Konstante im Leben ist.

    Die Essstörung macht mir ein lebendiges, manchmal sogar euphorisches Gefühl. Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

    Liebe Grüße
    Natascha
     
  6. ehemaliges Mitglied

    Opheliac

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    Dabei seit 1. November 2014
    Hallo liebe Natscha :)

    Ich freue mich wieder von dir zu hören!
    Hoffentlich geht es dir inzwischen auch ein bisschen besser.

    Diese Verschiebung von einem Problemverhalten zum anderen ist bei mir auch stark ausgeprägt.
    Früher hatte ich auch mit SVV zu kämpen, inzwischen wechseln sich bei mir "nur" noch die ES und Alkoholeskapaden ab.
    Jedes Mal, wenn ich die ES vermeitlich in den Griff bekomme, verstärkt sich mein Alkoholproblem.
    Sobald ich den Alkoholkonsum einschränke, erlebe ich wieder Hochphasen der Bulimie.

    Ich denke daran wird sich auch nichts ändern, wenn ich nicht endlich lerne, meine Probleme zu ertragen und auf eine gesunde Art und Weise zu lösen.
    Vermutlich wird es bei dir auch der Fall sein.

    Machst du zur Zeit eine Therapie?
    Tut mir leid, wenn du die Frage bereits in einem anderen Thema beantwortet hast, ich kann mich gerade wirklich nicht erinnern.
    Darf ich außerdem fragen, wie alt du bist und was du machst? Schule, Ausbildung/Studium oder Beruf?
    Bist du denn aktuell Mitglied in einem ES-Forum?

    Viele Grüße :Herzkuss:
     
  7. Gast

    Natascha

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    Top Poster des Monats

    Hallo Opheliac,
    nein, ich bin in keinem anderen Forum aktiv. Für mich gibt es hier ausreichend interessante Themen und genug Ideen die mich zum Nachdenken anregen, obwohl ich "nur" im öffentlichen Bereich tätig sein kann.

    Ich bin 26 Jahre alt und arbeite nach einem abgeschlossenen Studium und einem kraftraubenden Erstjob nun in unterschiedlichen Bereichen. Ich leite zum Einen einen Jugendtreff, arbeite zum Anderen in einer OGS und mache Ferienbetreuung. Wirklich sehr, sehr voller Tag, aber es ist noch händelbar.

    Ich habe bereits viele Therapien hinter mir, ohne tatsächlich weitergekommen zu sein, oftmals kam ich noch frustrierter und kränker zurück. Jeder kann nur gesund werden, wenn er es wirklich will. An diesem Punkt bin ich noch nicht. Ich weiß nicht, ob mein Leidensdruck nicht stark genug ist, ich mein Leben nicht verändern will oder andere Gründe bestehen aber momentan kommt eine weitere zeitraubende Therapie für mich nicht in Frage.

    Liebe Grüße zurück
    Natascha
     
  8. Hamlet, Prince of Denmarke

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    Top Poster des Monats

    Die Natur erscheint dem gesunden Menschenverstand absurd

    Hallo Natascha!

    Es tut mir Leid, dass Du wütend und traurig warst. Ich wünsche Dir, dass es Dir schon wieder besser geht!

    Die Frage nach dem Grund für Essstörungen ist interessant und nutzenstiftend. Wenn man die Ursache kennt, fällt es einem erstens leichter mit dem Faktum umzugehen und zweitens können sich Möglichkeiten eröffnen, die Essstörungen zu beseitigen.

    Ich möchte (und werde) an dieser Stelle meinen Lieblingsphysiker Richard Feynman zitieren. Er hat in der Einleitung zu seinem Buch "QED - Die seltsame Theorie des Lichtes und der Materie" folgendes geschrieben:

    "Ein weiterer Grund, warum Sie das, was ich Ihnen vortrage, nicht zu verstehen glauben könnten, mag sein, dass Sie nicht begreifen, warum die Natur so verfährt, während ich Ihnen doch beschreibe, wie sie verfährt. Das Warum versteht nämlich niemand. Ich kann nicht erklären, warum sich die Natur so und nicht anders verhält."

    "Die Natur, wie sie die Quanten Elektrodynamik beschreibt, erscheint dem gesunden Menschenverstand absurd. Dennoch decken sich Theorie und Experiment. Und so hoffe ich, dass Sie die Natur akzeptieren können, wie sie ist - absurd."

    Zum Teil wird man Essstörungen einfach akzeptieren müssen.

    Ich habe schon einmal geschrieben, dass wir Menschen ein großes Bedürfnis nach Sicherheit haben. Mir scheint es so, dass eine Essstörung tatsächlich in der Lage ist diesen Wunsch nach Sicherheit zu befriedigen.

    Egal ob man nun zu viel oder zu wenig isst. In dem Moment, wo man selbst und ganz bewusst, von der Norm abweicht, hat man selbst die Kontrolle über dieses Verhalten.

    Opheliacs Beschreibung eines Fressanfalls steht meiner Aussage von vorhin zunächst einmal diametral entgegen. Der Fressanfall verläuft ja unkontrolliert.

    Ist meine Theorie damit komplett wiederlegt?

    Ich denke nicht. Man muss sich aber im Klaren sein, dass es verschiedenstes Ursachen für Essstörungen gibt.

    Gerade eben frage ich mich, ob Fresssuchtsanfälle einen biochemischen Hintergrund haben? So als ob im menschlichen Körper Hormone und/oder Nerven unkontrollierte Signale erzeugen.

    Gibt es hier im Forum eigentlich auch ausgebildete Mediziner? :)

    Ich wünsche Dir alles Gute!
    Hamlet.
     
  9. schwanenfeder

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    Top Poster des Monats

    Ich glaube, dass eine Essstörung an einem Punkt im Leben auftritt, wenn die Seele sagt "So, jetzt reicht's, OVERKILL, du hast mich zu lange vernachlässigt / verdrängt". Ich war auch sehr sehr lange Zeit wütend auf diesen Mist. Warum um Himmels willen gibts diese Krankheiten? Warum kann nicht "einfach jeder intuitiv nach Hunger und Sättigung" essen können? Ich bin aber mittlerweile der Überzeugung, dass (nahezu jede) Essstörung eine Botschaft ist. Ein Stellvertreter für ein Gefühl oder für eine Vielzahl von Gefühlen, die unterdrückt werden. Die sich Gehör verschaffen wollen. Und die Wunden der Seele, die schon in der Kindheit liegen können, oder eben auch erst später durch ein bestimmtes Ereignis.... die machen sich dann später bemerkbar... wenn sie sich dann nicht mehr unterdrücken lassen... und wir sehen sie dann erst durch die Symptomatik.... durchs Hungern... (Fr)Essen... Übergeben... und dann sollten wir hinschauen, was nicht stimmt..... und wo der Hund begraben liegt....
    Hach ja... dat klingt alles so schön.... aber ich glaube wirklich, dass es der effektivste Weg ist...
     
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